Jeder kennt sie, die Abipartys der jeweiligen Abitursjahrgänge von Schulen. Dort finden sich immer Ausschüsse zusammen, unter anderem einer für Abipartys, wo diese dann geplant werden. Ziel dahinter ist es, genug Geld einzunehmen für die ganzen Investitionen der Stufe, wie zum Beispiel dem traditionellen Abiball.
So ist das zumindest die Theorie und so sollte man es auch an den meisten Schulen finden, eigentlich. Das Problem, welches mir zumindest hier in meiner Gegend auffällt ist, dass wir im größeren Umkreis die einzige Schule sind, welche noch eigene Abipartys anbietet und nicht in irgendeinen Dorf-Club geht. Aber wieso? Wieso gibt es nicht wie früher mehr Schulen, welche in gemieteten Hallen ihre eigene Abipartys feiern?

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Das Problem
Ich persönlich kann das nicht nachvollziehen, war aber bis auf die Abipartys meines Jahrgangs auf keinen weiteren. Und zwar scheint es so, zumindest laut Aussagen diverser Leute, dass einerseits die Motivation der Abitursjahrgänge sinkt, selbst etwas auf die Beine zu stellen und andererseits es einfach viel Arbeit und Geld kostet. Was bitte ist einfacher als in die nächste Dorf-Disco zu gehen? Die kümmern sich um die Location, die Musik, die Getränke und den Eintritt und sogar die Plakate. Im Gegenzug muss man lediglich dem Club ein wenig was abdrücken und alles passt. Dies mag zwar einfach sein, aber ich persönlich finde eigene Abipartys um einiges besser. Es ist einfach etwas anderes, wenn man soetwas selbst auf die Beine stellt. In einem Club / einer Disco gibt es jedes Wochenende / jeden Freitag Programm und ob das jetzt „Welcome Weekend“ oder „Abiparty der XY-Schule“ heißt, macht beim Betreiber auch keinen großen Unterschied, außer dass mehr Gäste kommen. Aber als Gast selbst bietet es mir keinen Unterschied, weil das Angebot so oder so das gleiche ist – Abipartys sind hingegen exklusiver.
Nachvollziehbar ist der riesige Aufwand der mit eigenen Abipartys verbunden ist sowie die Problematik mit der Security. Greift diese nicht richtig durch oder es kommen die falschen Gäste, so beginnen oftmals Konflikte und man hat Probleme mit Sachbeschädigung oder ähnlichem. Aber darum kann man sich doch kümmern, oder?

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Mein Problem mit der Fotografie
Wer meinen Blog verfolgt oder überhaupt sich auf dieser Homepage ein wenig herumschaut wird bemerken, dass ich Eventfotograf bin. Und ich liebe dies wirklich. Einerseits Konzerte / Festivals / Bands, aber auch „einfache“ Abipartys, wo die Personen im Vordergrund stehen. Hier hat man auch große künstlerische Freiheiten, wie man das Bild gestaltet. Und man muss sagen, dass ein Foto von den besten Freundinnen besser wirkt, wenn es nicht totgeblitzt ist, sondern man im Hintergrund noch die Beleuchtung des Clubs sieht. Aber wie das oftmals so ist, hat jeder Club seine eigenen Fotografen. Bei einem Club ganz in meiner Nähe finden Abipartys mehrerer Schulen statt, also ein stark frequentierter Club, was zumindest die Abipartys angeht. Und wer fotografiert dort? Leute, engagiert von einer „Szene“-Seite hier aus der Gegend, wo jeder fotografieren darf, wer halbwegs mit einem Foto umgehen kann. Ergebnis sind dadurch mäßige Fotos, welche man auch unter Umständen hätte selbst anfertigen können. Wo bleibt der Mehrwert?
Ich versuche bei solchen Veranstaltungen immer die Umgebung mit einzubeziehen und einen Bildlook zu erzeugen. Man soll im Idealfall die Stimmung auf den Bildern wieder erkennen. Solche Fotos sind zumindest mir um Welten lieber als so ein 08/15-Standard-Freundschaftsfoto. Aber da lässt sich partout nichts machen und hier beginnt auch mein Problem. Ich gehe gerne auf Schulen zu und würde gerne fragen, ob ich auf deren Abipartys fotografieren kann, aber das kann ich von vorne herein abhaken, wenn der Club, in dem gefeiert wird, schon eigene Fotografen stellt, welche dann in der Überzahl fotografieren. Nein, danke!
Trotzdem sind genügend Leute von den Fotos angetan. Wieso? Weil man darauf die Freunde hat und ein Andenken an den Abend. Vielleicht kennt man auch nichts besseres bisher? Ich würde dies gerne hier in der Region ändern, aber dazu bleibt mir der Weg versperrt, weil mir keine weitere Schule bekannt ist, welche ihre eigenen Abipartys veranstaltet.

Pöbeleien
Getoppt wird das ganze dann noch durch Pöbeleien, dass die Abipartys Schrott seien. Von anderen hört man, dass diese richtig toll waren. Aber das ist sicher ansichtssache und auch Clubs bekommen dies zu hören. Ist es denn nichts besonderes, auf eine selbst errichtete Abipartys eines Abiturjahrgangs zu gehen? Sowas erlebt man nicht jeden Tag, die Clubs in der Gegend hingegen schon, wenn man mag. Und wenn der Dorf-Club dann noch damit wirbt, dass man bei dem eigenen, doch so tollen Event, nicht mitten in der Nacht rausgeschmissen wird, dann weiß ich auch nicht mehr… Ist es denn so schlimm, dass man sich noch selbst bemüht etwas auf die Beine zu stellen? Wäre es besser, wenn jeder Abi-Jahrgang in irgendnem Club feiert? Ist es besser wenn man keinen Unterschied mehr spürt zwischen einer Abiparty und einem normalen Abend in einem Club? Dies ist vielen Leuten anscheinend egal. Leider.

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Ein hoch auf die Gastgeber!
In exakt einer Woche findet die vorletzte selbst errichtete Abiparty meines Jahrgangs statt. Dies ist die dritte dieses Schuljahres, kombiniert mit ein paar weiteren in einem Club. Wenn man einmal mitbekommt, was in einem Ausschuss so alles abgeht, dann bekommt man eine ganz andere Sicht darauf. Viele Leute haben sich sehr stark engagiert, dass unsere Abipartys so wurden, wie sie sein sollten. Zwar hat es an einigen Ecken gehakt, aber dennoch lief es im großen und ganzen recht gut. Und wer weiß, vielleicht wird unsere letzte Abiparty ja ein richtiger Erfolg? Zumindest die vom vorherigen Jahrgang waren sehr beliebt hier in der Gegend und es ist nicht gesagt, dass der nächste Jahrgang dies nicht auch wieder packt. Ich bin stolz auf die Leistung einiger Leute dieses Ausschusses und bin gespannt, was es nächstes Jahr gibt.

Mein Wunsch
Mein Wunsch wäre, dass sich in Zukunft wieder mehr Abitursjahrgänge trauen würden, selbst Abipartys auf die Beine zu stellen. Einzige Hürde mag dabei sein, dass durch G8 nur wenige Leute 18 sind, wenn im letzten Schuljahr die Ausschüsse gewählt werden. Trotzdem ist das kein unmöglicher Weg. Mir persönlich sagen selbst errichtete Abipartys weitaus mehr zu, als welche in irgendeinem Club, wo selbst das Plakatdesign 1:1 wie bei jeder anderen Party auch vom örtlichen Designer zurechtgestückelt wird.
So schaut es zumindest hier in meiner Gegend aus. Mich würde mal interessieren wie die Lage weiter weg ist. Wird da auch lediglich in Clubs / Discos gefeiert oder bemüht man sich wirklich noch selbst, etwas auf die Beine zu stellen?
Ich würde gerne öfters Abipartys fotografieren, auch um meine Qualität weiter zu steigern und um gute Fotos abzuliefern, die man sich auf der Homepage anschauen kann, auch ohne registrieren, liken oder ähnliches. Aber das ist wohl zumindest in meiner Gegend nicht möglich – aufgrund einer gewissen Monopolstellung und der fehlenden Motivation der Abitursjahrgänge. Schade.
Immerhin ist meine Schule eine der wenigen, welche dies noch selbst versuchen – und das ist auch gut so!

Das ganze stellt meine eigene Meinung dar und meine Sicht der Lage hier in der Gegend. Ich möchte keine Clubs oder „Szene“-Portale angreifen und diese wurden hier auch nicht namentlich genannt.

  • MaSo

    Ein Super Beitrag! Ich kenne die Problematik mit der „Monopolstellung“ gewisser Dienste, deren Name hier ja nicht genannt werden soll, leider zu gut. Das Problem erstreckt sich aber nicht nur auf den Bereich Abiparty, es ist vielmehr ein allgemeines Problem.
    Natürlich ist es viel Arbeit, eine solche Party zu organisieren, aber wenn das Ergebnis stimmt, kann man wie ich finde stolz sein. Allein das sollte schon genug Motivation sein, sich aufzuraffen und etwas auf die Beine zu stellen – wenn man mit mehreren Leuten an einem Strang zieht, wird der Arbeitsaufwand für den einzelnen auf ein erträgliches Maß reduziert. Ich hoffe, dass wieder mehr Schulen das erkennen.
    Allerdings reicht das noch nicht. Leider ist es heutzutage so, dass man auf die Kommunalpolitiker zugehen, ja geradezu versuchen muss, sie zu überzeugen, damit man überhaupt eine Genehmigung für die Veranstaltung bekommt. Zusätzlich muss man auch noch jemanden finden, der eine geeignete Halle zur Verfügung stellt. Das ist nicht einfach – unverständlicherweise.wir haben sehr viel Lob vom örtlichen Hausmeister für unsere Partys erhalten, er habe zuvor immer nur schlechtes gehört, könne das aber keinesfalls bestätigen, er habe eher Gegenteilige Erfahrungen gemacht.
    Sven, als Tip für dich: Kontaktiere mal das Gymnasium in Nidda, die organisieren auch eigene Abipartys, wenn auch nicht so oft.