Seit nun einigen Jahren bin ich Besitzer einer etwas umfangereicheren Wetterstation. Hierbei handelt es sich um eine Orgeon Scientific WMR200. An sich ein sehr schönes Modell, überzeugt mit guten Werten und einer sehr schönen Basisstation mit Touchscreen.
Einzig die Regenmesserauflösung mit 1,0mm pro Wippschlag ist ein wenig zu grob, aber das ist für mich nicht wirklich schlimm.
Etwas sehr schönes an einer solchen Wetterstation ist, dass man diese an den PC anschließen und somit die Wetterdaten protokollieren kann. Von Anfang an wollte ich dies „irgendwie“ mit einem Linuxserver realisieren, zumal mein normaler PC nicht jeden Tag 24 Stunden läuft. Aber wie? Damals habe ich elendig lang herumgesucht, aber es gab keine gute Lösung. Problem ist, dass die WMR200 ein proprietäres Protokoll verwendet, also muss sich irgendjemand die Zeit nehmen um das Protokoll zu entschlüsseln. Nach nun einigen Jahren gibt es einige praktikable Lösungen. Einige setzen auf wfrog was recht stabil mit der WMR200 (und ähnliche Modelle von Oregon Scientific) zu laufen scheint. Hatte ich vor längerer Zeit auch mal im Einsatz, aber die Umsetzung gefiel mir nicht wirklich.

Zwischenlösung unter Windows

Irgendwann war ich zurückgekehrt zu Windows, um überhaupt die Daten zu erfassen. Die Software von Oregon Scientific (kurz OS) taugt nicht. Nach längerem suchen bin ich auf Cumulus gestoßen. Eine sehr schöne Software für Windows, gratis, und hat alles, was ich gesucht habe. Daten abspeichern, anzeigen und das hochladen zu Weather Underground und auch noch FTP Upload für eine Homepage. Hatte ich lange im Einsatz und da diese beim Start immer den Datalogger leert von der WMR200 hatte ich somit in meiner Datenbank auch jegliche Daten von Nächten und Tagen, an denen der PC aus war. Probleme gab es nur beim Ruhezustand vom PC und ähnlichen Dingen, da Cumulus da nicht mehr stabil läuft bzw. keine Verbindung zur Station mehr zu Stande kam. Und da ich jetzt auf meinem Futro S400 Debian Linux installiert habe, wollte ich dieses Projekt mal wieder in Angriff nehmen, dass eine Software 24/7 in eine Datenbank, am besten MySQL, die Werte schreibt und protokolliert.

Die für mich beste Lösung unter Linux

Immer wieder schaute ich, was für Lösungen es gibt. Neben einem (damals) halb funktionierenden wfrog gab es noch einfache Programme, meist in C geschrieben, welche als Grundlage für eigene Programme dienen. Also alles keine schönen Lösungen für mich. Eine Suche nach „wmr200 linux“ offenbart nun eine neue und sehr schöne Lösung: weewx.
Mit weewx kann man wunderbar die WMR200 an einen Linux PC, in meinem Falle den Futro S400 anschließen und es lief bei mir halbwegs auf anhieb.

Weewx einrichten

Es gibt fertige .deb Pakete für Debian (und Derivate) aber ich wollte es aufgrund der schöneren Ordnerstruktur selbst kompilieren. Wer weewx mit der WMR200 nutzt, der sollte sich die Dev-Version anschauen (zumindest zur Zeit). Denn Version 2.4 hat das Problem, dass bei der WMR200 kein Regen aufgezeichnet wird. Ab Version 2.5 ist der Fehler behoben, wie man die Betaversion hier herunterladen kann. Das war das einzige Problem, was mir aufgefallen war und durch ein Update auf die Betaversion wurde dieses Problem behoben.
Wer ein wenig Erfahrung mit Linux hat, für den sollte die Installation kein großes Problem darstellen. Schön anschaulich und übersichtlich wird die Installation unter Setup gezeigt. Durch diesen Weg erhält man im /home/ Verzeichnis den Ordner weewx und hat an einem Ort alle Dateien, die man benötigt. Für mich zumindest die beste Lösung.
Ich selbst nutze auf meinem Mini-Server apache2 als Webserver und da hätte ich nun auch gerne Zugriff auf die Wetter-Webseite, die automatisch von weewx generiert wird. Dies ist relativ einfach möglich, indem man einfach der Anleitung in der weewx Dokumentation folgt.
Alle weiteren nötigen Informationen findet man in der Userguide von weewx und auf der Homepage. Alles schön übersichtlich erklärt, sodass ich keine Probleme beim einrichten hatte.
Auch das einrichten vom automatischen updaten auf WeatherUnderground ging problemlos.
Übrigens sollte der Server mal länger aus sein: Beim nächsten Start von weewx werden alle vergangenen Wetterdaten aus dem internen Datalogger heruntergeladen. Somit gibt es in der Statistik keine Lücke.
Weewx wird über zwei config-Dateien konfiguriert. Einmal die Haupt-config-Datei, welche sehr gut kommentiert ist und zusammen mit der Dokumentation einfach zu bearbeiten ist. Dann gibt es noch eine weitere config-Datei für den Skin, also für das generieren der Webseite, welche dann nach kurzem einrichten von apache (siehe Link weiter oben) unter http://server/weewx erreichbar ist. Hier lohnt es sich zum Beispiel die Maße der Grafiken anzupassen bzw. den Pfad zur Schriftart. Ich verwende dafür einfacherweise Droid Sans, da schauen die Graphen recht gut mit aus.

Wie wird gespeichert?

Standardmäßig speichert weewx die Wetterdaten in einer eigenen sqlite-Datenbank. Ich selbst möchte jedoch alle Daten in einer MySQL Datenbank haben, auf die ich auch mit anderen Programmen zugreifen könnte. Dies ist ebenso relativ einfach möglich und wird gut in der Dokumentation erklärt.
Schnell eingerichtet und schon werden alle Daten schön sauber in der MySQL Datenbank gespeichert.

Der Haken an der Sache

Ein kleiner Punkt muss angemerkt werden, insofern man eine WMR200 verwendet: Bei jedem Abruf der Wetterdaten von der Wetterstation wird der Datalogger geleert. An sich eine sehr schöne Sache, jedoch gibt es bei der WMR200 immer eine schöne Animation aller LEDs auf der Vorderseite, die wie ein invertierter Fortschrittsbalken zuerst alle leuchten, dann immer weniger werden und das Symbol ganz rechts blinkt dann wie wild eine kurze Zeit. Auf die Dauer schaut das nicht gut aus und stört, weswegen ich der Einfachheit halber einen Streifen Isolierband über die LEDs geklebt habe. Fällt kaum auf, schaut nicht zu schlimm aus, im Zweifelsfall erkennt man noch die LEDs und es stört nicht mehr im Augenwinkel, weil meine Wetterstation an der Seite steht. Besonders im dunkeln hat es mir dann irgendwann gereicht. Aber dafür hat man eine gut funktionierende Software, welche bisher zuverlässig funktioniert.

pyephem

Als optionales Paket wird pyephem angegeben. Am Anfang hatte ich es nicht beachtet, jedoch ist es eine schöne Sache. Einmal in python installiert, bekommt man allerhand Daten zu Sonne, Mond und Sterne angezeigt. Zwar mehr oder weniger Spielerei, aber mir gefällts.

Fazit

Innerhalb weniger Stunden hatte ich weewx eingerichtet. Die Installation usw. lief problemlos und die Dokumentation bietet alles, was das Herz begehrt. Alles wird übersichtlich und gut dargestellt, weswegen ich nicht einmal mehr hier etwas weiterführendes erklären muss. Seit nun einer Woche läuft bei mir weewx und protokolliert schön brav das Wetter, speichert die Werte ab und generiert hübsche Diagramme, die sogar die Tageshelligkeit anzeigen. Bis jetzt bin ich wunschlos glücklich mit der Software und kann diese jedem ans Herz legen, der eine Oregon Scientific WMR200 (oder ähnliches Modell, siehe „supported hardware“) besitzt und diese mit Linux betreiben möchte. Wenn die Wetterstation auf Anhieb nicht vom System erkannt wird, dann liegt das am USB Kabel, weil der Stecker bei mir Probleme verursachte, weil die Buchse an der Wetterstation ungünstig angebracht ist.
Man sollte nur manuell vor dem ersten Start in der config-Datei die Einheiten festlegen, dass auch in Celsius abgespeichert wird und Anpassungen in der skin.conf lohnen sich auch noch, damit die Webseite ein wenig hübscher ausschaut bzw. damit man die Funktionen etwas verbessern kann (größere Graphen usw.).
Auch das hochladen auf WeatherUnderground läuft problemlos, wie man unten sehen kann. Immer aktuelle Werte. Ich bin sehr zufrieden mit weewx und kann es nur weiterempfehlen.

Die eigene Weather Underground Seite

Weather Underground PWS IHESSENA2
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  • Jan Commandeur

    Hallo Sven,

    Sie haben einer schöne website.
    Sie haben gleich wie ich ein weatherstation welches is „powered by weewx“.
    Die weather station auf der Weewx map ist in der nähe von IJsland.
    Ist das so?

    Freundlicher Grüsse,
    Jan Commandeur.