Kaufen ist toll. Sachen besitzen ist toll. Mehr ist besser. Mir gehts schlecht, also gibts Frustkäufe und schon geht es mir besser. Kommt das bekannt vor? Mir nur sehr gut. Lange Zeit lebte ich so, habe sehr viele Sachen besessen und immer wieder neues gekauft. Dabei aber alte Sachen nur hin und wieder entfernt. So sammelte sich mit der Zeit wirklich viel an. Doch eines Tages hat sich dies bei mir geändert. Ich möchte nicht mehr so viel besitzen. Sachen zu besitzen bedeutet Ballast. Nicht nur, wenn man umzieht sondern auch generell. Ich fühle mich einfach besser, wenn ich nicht so viele Sachen besitze und die Schränke relativ überschaubar gefüllt sind. Das macht Entscheidungen leichter und ich kann mich mehr auf Qualität konzentrieren.

Was bringt es mir, wenn ich 5 Armbanduhren besitze, wovon ich vielleicht 3 regelmäßig trage? Und wenn alle womöglich nur eine mittelmäßige Qualität haben, damit ich mir mehrere kaufen kann? Dann wäre es doch eigentlich sinnvoller, wenn ich nur eine Uhr hätte, welche dafür eine hohe Qualität aufweist und zu allem passt. Qualität statt Quantität ist kein dummer Ansatz. Besonders wenn es um Alltagsgegenstände geht, die ich täglich benutze. Smartphone, Geldbörse, Armbanduhr, Kleidung. Oder sogar mein Bett, mein Schreibtisch und der dazugehörige Schreibtischstuhl.

Wie viel braucht man zum leben?

Zum leben braucht man wirklich nicht viel. Du brauchst Kleidung, eine Wohnung und Nahrung. Damit wären schon einmal deine Grundbedürfnisse gestillt. Darüber hinaus gibt es ein paar Sachen, die schon zum Leben dazugehören. Ein Bett, ein Smartphone, Internet, vielleicht noch ein Fahrrad, wenn man damit täglich zur Arbeit fährt. Doch viele Gegenstände, die Du besitzt, brauchst du nicht wirklich. Schaue dich einmal in deinem Zimmer um, und zwar jetzt. Siehst du einige Gegenstände, welche du nur selten nutzt und eigentlich nicht brauchst? Für diese könntest du noch Geld bekommen

Das Gedankenexperiment

Passend dazu gibt es ein sehr schönes Gedankenexperiment, von welchem ich schon häufiger gehört habe. Und es ist wirklich gut und hat mir in einigen Hinsichten die Augen geöffnet.
Werfe alles, was du besitzt, auf einen Haufen. Wirklich alles. Jede Kleinigkeit. Entnehme dann die Sachen, die du täglich brauchst. Schränke, Kleidung, Smartphone, usw…

Wenn du nun alle verbleibenden Sachen durchgehst, oder bei einigen „das kann man mal gebrauchen“ denkst, dann packe diese in eine Kiste. Benötigst du etwas, nimmst du es aus der Kiste heraus. Doch was nach einem Jahr ungenutzt noch in der Kiste liegt, kann weg.

Spielt man das nun in Gedanken durch und schaut sich einige Sachen an, welche man eigentlich nie nutzt, dann findet man doch eine ganze Menge. Deko, alte Kleidung oder ein alter Laptop. Vielleicht sogar der Fernseher oder die Hifi-Anlage.

Weg mit alten Sachen

Diese Sachen können weg. Besitzt man weniger, ist man glücklicher. Das geht zumindest mir so, vielen anderen aber auch. Probiere es doch einfach mal aus und verkaufe einige deiner Sachen bei ebay oder diversen Flohmärkten. Man findet für alles Käufer. Selbst für alte Schuhe oder schon lange überholte Elektronik. Einfach mal bei ebay nach ein paar Sachen schauen, die du vielleicht verkaufen würdest. Du wirst überrascht sein, wie viel man da zum Teil noch für bekommen kann. Und Geld ist Geld. Das kannst Du dann nutzen und in neue, qualitative Sachen investieren oder das Geld als Rücklage nutzen.

Ich verkaufe meine alten Sachen nun schon seit vielen Wochen. Immer wieder auf ebay. Andere schwören für Kleidung und ähnliches auf Kleiderkreisel oder Shpock. Größere Sachen würde ich bei ebay Kleinanzeigen reinstellen. Habe dadurch gutes Geld eingenommen und fühle mich wohler. Was bringen mir alte Sachen in den Schränken? Ok, Erinnerungen mal außen vor. Aber selbst von diesen kann man sich zum Teil trennen. Es macht mich nicht glücklicher, wenn ich 3 alte Laptops herum liegen habe. Es macht mich jedoch glücklich, wenn ich einen modernen Laptop habe, der mich die nächsten Jahre treu begleitet.

Neue Uhr, neue Geldbörse, neue Kleidung. Weg mit der alten. Anstatt zusätzliche Käufe gibt es jetzt in Zukunft nur noch Ersatzkäufe. Heißt: eine neue Jeans gibts nur, wenn die alte kaputt ist. Es gibt keine zusätzliche Jeans.

Doppelte Sachen und Erinnerungsstücke

Schau Dich einmal in deinem Zimmer oder in deiner Wohnung um. Du besitzt sicherlich einige Sachen doppelt. Für den Fall der Fälle hat man so immerhin ein zweites Exemplar zur Hand. Doch wie ich gerne sage: „Für den Fall“-Sachen brauchst Du nicht wirklich. Ausnahmen gibt es jedoch auch hier. Eine Ersatzfestplatte habe ich gerne hier, welche als Backupfestplatte dient.
Bei Erinnerungsstücken scheiden sich die Geister. Viele behalten gerne einige Sachen, welche Sie mit einem Ereignis bzw. einer Erinnerung verbinden. Bei solchen Sachen frage ich mich immer, ob ich diese Sache wirklich für die Erinnerung benötige. Die Erinnerung bleibt in meinem Gedächtnis, auch ohne einen Gegenstand. Das muss jeder für sich entscheiden – reine Geschmacksache.

Küche

Meine Tipps bezogen sich bisher zum großen Teil auf das Wohn- und Schlafzimmer. Bist du jedoch stolzer Besitzer einer ganzen Wohnung, dann hast du noch mehr Zimmer. Eins davon ist die Küche. Auch hier gibt es viele Sachen, die Du nicht wirklich mehr benötigst. Brauchst du wirklich drei Pfannen und fünf Töpfe? Höchstens mal in seltenen Ausnahmefällen. Somit kann auch hier vieles aussortiert werden. Außerdem neigen auch viele Menschen dazu, Gläser regelrecht zu sammeln. Es ist wohl mehr als unwahrscheinlich, dass Du eine 40 Personen Party mit Gläsern feiern willst, wo jeder eins benötigt, oder?

Bad

Auch im Bad liegt bei einigen echt viel herum. Brauchst Du wirklich so viele Hygiene- und Kosmetikartikel? Wird so viel Make-Up benötigt? Brauchst Du 20 Handtücher?
Mein Bad ist recht überschaubar. Ok, ich bin auch ein Mann, aber dennoch. Ab und an sammelt sich auch bei mir mal was an. Und besonders wenn man dann in den Urlaub fährt, merkt man, was man von den ganzen Sachen überhaupt braucht. Meistens wirklich nur die Basics.

Müll von unterwegs

Wenn man sich mit einem minimalistischen Leben auseinandersetzt, dann kommt irgendwann der Punkt, an dem man sich für andere Ernährungsmöglichkeiten interessiert, aber auch anfängt, über den eigenen Verbrauch nachzudenken. Dies hat zwar nichts mit einem minimalistischen zuhause zu tun, aber mit einem minimalistischen Leben. Viele nehmen jeden Tag einen Coffee to-go mit. Im Laufe des Jahres summiert sich alleine der kleine Becher täglich zu einem doch recht großen Haufen an Papier. Hinzu kommt noch der Plastikdeckel. Generell gibt es viel Essen und Trinken, was man irgendwo mitnimmt. Eingepackt in Styropor oder ähnlichem. Das summiert sich. Oder wenn Du viele Produkte kauft, welche doppelt und dreifach verpackt sind (Amazons frustfreie Verpackung ist schon ein schöner Ansatz dagegen). Oder Kapselsysteme. Hier gibt es eine ganze Menge an Produkten, welche eine Menge Müll erzeugen.

Und wenn wir es schon generell von Müll haben: Auch die gratis Zeitungen mit den Werbeheften, die jedes Wochenende in den Briefkasten kommen, ergeben über das Jahr summiert auch einen großen Berg an Altpapier. Ein kleiner Aufkleber am Briefkasten kann diesen Berg schon deutlich reduzieren.

Alte Dokumente

Wir besitzen aber noch mehr, als Gegenstände in der Wohnung. Wichtig sind auch alte Dokumente. Rechnungen, Belege, alte Prospekte. Die meisten werden gelocht und abgeheftet.

Doch seien wir einmal ehrlich: Die meisten Dokumente brauchen wir nie wieder. Oder wenn wir Sie brauchen, dann suchen wir Sie ewig. Ich habe mir daher angewöhnt, alle Dokumente und Rechnungen usw. einfach einzuscannen. Geht schnell und ich habe alle Dokumente digital auf meiner Festplatte als PDF-Datei abgelegt. Diese kann ich gezielt nach Stichwörtern durchsuchen und anhand des Dateinamens lassen sich auch schnell Rechnungen wiederfinden. Erleichtert wird das ganze System, da man viele Rechnungen heutzutage per E-Mail bzw. online schon als PDF Datei bekommt.

Briefe und ähnliches werden einfach eingescannt. Wer gerne Schmierpapier für Notizen braucht, der kann von solchen Briefen übrigens die Rückseite nehmen. Das mache ich seit Jahren und benötige seitdem kein normales Papier mehr für Notizen. Mein Grünspar Mülleimer hilft mir dabei sogar. Und zum einscannen reicht meist ein Multifunktionsdrucker. Mein Epson XP-610* druckt und scannt wirklich schnell. Da ich jedoch viele Dokumente am Anfang eingescannt habe, habe ich mir den Canon LiDE 220* gekauft. Für Vielscanner wunderbar.

Die einzige Ausnahme bei sowas sind amtliche Briefe. Sowas hebt man auf. Ebenso hebe ich Rechnungen mit höheren Beträgen auch für einige Jahre auf.
Auch Kontoauszüge summieren sich. Ich habe zu einer Direktbank gewechselt und erhalte somit nur noch eine Monatszusammenfassung als PDF Datei.
Ich besitze noch einen einzigen Ordner, wo meine ganzen Dokumente drinnen sind. Eine Hand voll amtliche Briefe, ärztliche Dokumente und ein paar Rechnungen.

Dateien

Genug von materiellen Dingen. Was ist jedoch mit Deiner Festplatte? Deinem Smartphone? Deinem Tablet?
Viele Menschen haben eine ordentliche Wohnung und einen ordentlichen Schreibtisch. Aber den PC möchte man sich besser nicht anschauen. Vor lauter Dateien ist das Hintergrundbild nicht mehr zu erkennen und die Dokumente sind wirr über die gesamte Festplatte verteilt.
Ich habe schon früh angefangen, meine Dokumente zu gruppieren. Bilder, Videos, Dokumente, Musik, alles hat seinen eigenen Ordner mit sinnvollen Unterordnern.

Videos und Bilder kann man verlustfrei oder mit leichtem Verlust deutlich komprimieren, wodurch mehr Platz auf der Festplatte bleibt. Dokumente können in PDF Dateien umgewandelt werden und sparen meistens auch noch Platz dabei.
Und benötigst Du wirklich die 500 süßen Katzenfotos? Und die letzten 200 Downloads? Solche Sachen können und sollten regelmäßig gelöscht werden.

  • Bilder komprimieren:
  • Videos komprimieren:
    • Handbrake. Absolut beste Software für sowas!
  • Dokumente in PDF umwandeln:
    • Adobe Acrobat Pro (z.B. in der CreativeCloud enthalten)
    • Gratis Tools wie Foxit Reader. Damit ist es möglich, auf einfache Weise PDFs aus Word-Dokumenten, Bildern oder Scans zu erstellen.

Darüber hinaus sind Cloud Dienste wie Dropbox, Google Drive oder Mega eine gute Sache. Ich kann auf Dateien von all meinen Geräten zugreifen und diese einfach teilen. Somit müssen manche Bilder oder Dokumente nicht auf allen Geräten vorhanden sein, sondern nur in der Cloud bzw. werden diese auch automatisch synchronisiert.

Ordnung auf dem Smartphone / Tablet spielt auch eine wichtige Rolle. Fotos / Screenshots und Videos werden von mir regelmäßig gelöscht. Wichtige Dateien verschiebe ich auf meinen Computer um Speicherplatz zu sparen (entweder direkt, über Dropbox oder mit AirDroid). Und nicht genutzte Apps werden gelöscht. Gleiches gilt für lange nicht mehr gehörte Musik.

Auf allen Systemen kümmere ich mich darüber hinaus um alte Dateien. Cache-Dateien, alte Programm-Reste usw. können gelöscht werden, da Sie nur Platz wegnehmen. Auf meinem PC nutze ich dafür die Software CCleaner, auf dem Mac schaue ich manuell durch die Hand voll Ordner. Gleiches gilt für mein Smartphone. Da es gerootet ist, kann ich mit einem Datei Explorer problemlos alle Ordner durchschauen und z.B. Alte Nandroid Backups löschen.

Aber egal wie viel gelöscht wird: Immer ans Backup denken!

My 2 Cents

Und ich finde sowas gut. Ich fühle mich wohler in meinem Leben. Und das kannst Du auch. Wage einfach den Schritt. Am Anfang war ich auch unsicher, jedoch war es eine wirklich gute Entscheidung. Das verdiente Geld durch den Verkauf der ganzen alten Sachen kann ich sinnvoll nutzen und ich habe viel weniger Ballast im Leben. Oder die Qual der Wahl, was ich anziehen soll. Ebenso kann ich leichter verreisen oder umziehen. Wirklich motiviert haben mich hierbei viele Texte von digitalen Nomaden. Das sind Menschen, die ihr Geld im Internet verdienen. Somit benötigen sie nur Internet und ihren Laptop. Dadurch kann man von überall aus arbeiten. Die meisten reisen sehr gerne (sind ja auch Nomaden) und haben nur einen einzigen Rucksack dabei, wo alles drinnen ist, was sie benötigen. Das ist wirklich das ultimative minimalistische Leben. Für mich aktuell noch zu krass, aber ich arbeite darauf hin und ich finde sowas sehr motivierend und inspirierend. Es fühlt sich einfach leicht und toll an!

Wenn Du mehr über das Leben von digitalen Nomaden erfahren willst, dann schau doch mal bei Conni von PlanetBackpack oder Sebastian von Wireless Life / TravelWorkLife vorbei. Von Conni habe ich auch das Buch „Digital, Unabhängig, Frei“ gekauft, welches jeden Cent wert ist. Die geballte Ladung Motivation.

* – Affiliatelink

  • Robert

    Hallo,
    Super Artikel, du sprichst mir aus der Seele.
    Finde es immer wieder erstaunlich, wie es vielen „minimalistisch lebende“ ähnlich geht, dass man sich befreiter fühlt durch weniger Zeugs…..
    Ich lebe dies nun so relativ stark ausgeprägt seit ca. 1 Jahr, hatte vorher auch immer schonmal Phasen des Ausmistens, etc. Aber nun tatsächlich so, dass alles wichtige (obwohl KEIN digitaler Nomade) in einen normalen Stadtrucksack passt. Kleidung nur das Nötigste, Bad, Küche ebenfalls. Ein Futon zum rumliegen und schlafen, ein bequemer Stuhl, mein Fahrrad, das wars….Gut, nun lebe ich alleine ( das sehr gerne), Besuch meistens nur 1 oder 2 Personen ( da braucht man dann auch nicht viel). Dies macht es einfacher.
    Die Vorteile? Sagenhaftes Freiheitsgefühl, superschnelles Umziehen, besseres, unkomplizierteres Reisen und das Gefühl einfach “ Auf und Davon“ zu können und alles dabei zu haben.
    HERRLICH……
    Zu dem Punkt mit dem Aufräumen der digitalen Dinge( in meinem Fall ein Tablet) gebe ich dir absolut Recht, auch hier sollte es heißen, nur das WICHTIGSTE. Der Minimalismus zieht sich eben durch viele Bereiche: weniger Ballast, weniger Arbeiten müssen, und Zeit für die für einen persönlich „ausgewählten“, wirklich wichtigen Menschen und Aktivitäten im Leben. Warum das so ist, weiss ich auch nicht, aber ICH kann seitdem viel mehr genießen….( auch wenn man ganz schön manchmal auf “ Gegenwind“ stößt, da viele es nicht wirklich nachvollziehen können, da sie doch zur sehr an Materiellen Dingen hängen) Egal, mir geht’s bestens. In diesem Sinne, DANKE für deinen Beitrag. Lieben Gruss aus Köln, Robert