Abitur, was nun? Sehr viele studieren. Doch wieso? Was möchte man im Leben erreichen? Viel zu viele Entscheidungen, die Du schon mit 18 oder 19 Jahren treffen muss und die Dein restliches Leben bestimmten. Generation Y at its best.
Passend zu meinem 20. Geburtstag möchte ich mich mit dieser Thematik auseinandersetzen, die mich seit Monaten beschäftigt.

Wieso studieren?

Je mehr ich mit Freunden übers studieren rede, umso mehr Fragen kommen auf. Viele wissen gar nicht, wieso Sie studieren. Man macht es halt, weil sich das so gehört. Außerdem braucht man das für einen richtigen Job später und man möchte auch ein wenig Geld verdienen.
Mit einer Ausbildung ist ja nicht so viel zu reißen. Man verdient deutlich weniger und hat meist weniger Aufstiegsmöglichkeiten.
Jeder definiert sich nur noch nach der Leistung, die er erbringen kann. Und genau hier liegt das Problem. Das Leben besteht aus mehr als Karriere und Beruf. Ehrgeiz ist gut, aber viele geraten regelrecht in einen Wahn.

Was möchtest du im Leben erreichen?

Du gehst zur Schule. Du macht Abitur. Du studierst und machst deinen Abschluss. Du machst zahlreiche unbezahlte Praktika. Du gehst 40 Jahre lang arbeiten. Jeden Tag das Gleiche. Monotonie. Und dann ist dein Leben schon bald vorbei.

Wann lebst Du? An Wochenenden und freien Tagen. Irgendwann hast du endlich das Rentenalter erreicht und ab da kannst du richtig leben.
Das Leben besteht zunehmend nur aus Karriere und Beruf. Alles andere im Leben ist sekundär. Freunde, Familie, Urlaub und solche Dinge kommen
viel zu kurz, aber das ist ja bei jedem so und normal. Vor einigen Wochen habe ich einen großartigen Artikel von einem jungen Mann gelesen, der seinen gutbezahlten Job geschmissen hat um sich etwas ganz anderem zu widmen und selbständig zu werden. Sein Beweggrund war, dass er nicht mehr konnte.
60 bis 80 Stunden die Woche arbeiten für einen Job, der dir keine Freude bereitet, nur um viel Geld zu verdienen, was du aufgrund mangelnder Freizeit und sozialer Kontakte nicht ausgeben kannst. Stattdessen macht dich dein Beruf regelrecht krank.

Ist das der richtige Weg? Ist das gesund? Wohl kaum. Aber viele steuern auf genau sowas hin. Denn viel Geld und viel arbeiten ist gut. Das machen schließlich alle so.
Und genau hier muss man umdenken!

Lebe!

Dein Leben ist kurz. Ich rechne immer mit 80 Jahren Lebenserwartung. Somit bleiben mir noch um die 60 Jahre übrig. Und was möchte ich in dieser Zeit erreichen? Ich möchte die Welt sehen. Ich möchte eine Familie gründen. Ich möchte die Zeit mit guten Freunden verbringen. Ich möchte viel lernen, meinen Hobbys nachgehen und ein für mich schönes Leben führen. Und ganz wichtig: Ich möchte glücklich sein.
Ich habe nur dieses eine Leben. Und dieses möchte ich nicht vergeuden. Gerade der Text von Marteria – Sekundenschlaf ist hier sehr passend: „Ich weiß du hast noch so viel vor – doch langsam hörst du dieses Ticken in deinem Ohr“.

Doch wann kann ich diese Punkte realisieren? An meinen 30 Urlaubstagen im Jahr, an Wochenenden und wenn ich „endlich“ in Rente bin. Das ist eindeutig zu wenig. Und Du hast bestimmt ähnliche Pläne. Was möchtest Du im Leben erreichen? Was sind deine großen Ziele?
Möchtest Du mit 80 Jahren auf dem Sterbebett liegen und dein Leben rückblickend betrachten und sagen: „Joa, Leben ist vorbei. War ganz ok. Hatte zwar nicht viel Zeit für mich, aber ich habe die Firma voran gebracht und den Aktionären bessere Dividenten beschert.“?

Du sollst dich frei fühlen! Du sollst glücklich sein! Du sollst ein schönes Leben führen! Ein Job ist dabei notwendig, doch auch dieser sollte dir Freude bereiten. Manch einer lebt gerne in einem 9-to-5 Bürojob, doch nicht jeder. Wenn du diese Monotonie nicht willst, dann mach was anderes!

Das geht so aber nicht

Richtig. Für ein schönes Leben braucht man Geld. Und dafür braucht man einen guten Job, der ausreichend Geld bringt.
Doch was ist ausreichend Geld? Wie viel brauchst du, um ein angenehmes Leben zu führen?

Weitergehend solltest Du dich fragen, was dir wirklich Freude bereitet. Es gibt bestimmt einige Branchen, die dir liegen könnten, aber von denen du es nicht weißt. Gerade das CHE Hochschulranking auf Zeit.de sowie der Studium-Interessentest können hier helfen. Hier geht es zwar um Studiengänge, aber man bekommt auch allgemein einen Überblick über die Bereiche und Branchen, die Interessant sein könnten.

Und frage dich: Liegt dir das Studieren? Oder wärst du in einer Ausbildung glücklicher? Beantworte die Frage für dich. Nur zu studieren, weil es angesagt ist, weil es jeder macht und weil man das Studium als Prestigeobjekt sieht, ist keine Lösung. Das habe ich selbst gemerkt.
Du brauchst auch nicht eitel sein. Nur weil du das Abitur geschafft hast, musst du nicht studieren.

Die Perspektivlosigkeit

Dieses Problem haben sehr viele Menschen. Sehr sehr viele. Nur wenige in meinem Alter können mir sagen, was ihr Ziel im Leben ist. Man studiert halt und schaut mal, was man danach so machen könnte. Und viele scheitern am Studium. Ich selbst stehe dem immer kritischer gegenüber.
Doch was soll man tun? Es ist eine traurige Frage, die ich mir selbst schon seit einiger Zeit stelle.

Aber betrachten wir das ganze mal ganz nüchtern. Freunde, Familie, Glück, die Welt entdecken, … – das sind alles Punkte, an denen wir so arbeiten können. Da gibt es wundervolle Bücher und Texte dazu. Das einzig wirklich große Problem der Perspektivlosigkeit ist das Berufsleben.
Wie kann man auch mit 18 Jahren schon wissen, was einem die nächsten 45 Jahre gefallen wird? Aber mache dir da nicht so einen Kopf drum.
Es gibt unzählige Quereinsteiger jedes Jahr. Karrieren laufen nur selten linear ab.

Die Lösung

Doch wie soll die Lösung ausschauen? Wir definieren uns viel zu sehr anhand von Leistungen. Nur wer Leistung erbringt, der ist gut. Akademiker zu werden, das ist toll. Ist dem wirklich so? Ich sehe jeden Tag an der Uni so viele Menschen mit perfekten Fassaden. Nur wie es dahinter ausschaut, das bekommt man nicht mit. Studieren kann krank machen.

Keiner will sich mit einem durchschnittlichen Leben zufrieden geben. Ich auch nicht – was aus meinem Text hervorgeht. Doch vielleicht ist gerade das die Lösung? Lieber glücklich werden mit einem einfachen Leben, als nach etwas großem streben und daran zugrunde gehen.
Das ganze wirkt gar wie ein Sozialdarwinismus. Nur die stärksten überleben. Wer ein durchschnittliches Leben führt, der wird gefressen.
Die Angst zu versagen ist sehr groß. Man möchte perfekt sein. Doch wer ist das schon? Ehrgeiz ist gut, doch dieser kann schnell zu groß werden.

Sehr schön finde ich hier den Artikel „An der Uni sah ich lauter perfekte Lebewesen“ bei Zeit Online. Auch die Kommentare regen sehr zum nachdenken an.

Freude und Glück

Studiere das, was dir Spaß macht. Nicht das, was dir später viel bringen könnte. Viele scheuen sich davor, Philosophie, Germanistik oder ähnliche Geistes- / Sprachwissenschaften zu studieren, weil man damit später doch keinen Job findet. Andere studieren es, weil sie nichts besseres wissen und scheitern kläglich. Ich verweise dabei nur zu gerne auf Zeit.de. Der Studien-Interessentest hat mir ganz neue Perspektiven ermöglicht und das CHE Ranking hat mir einen neuen Überblick über mögliche Studiengänge und Branchen gezeigt.
Und sage Dir nie, dass du mit dem Studium keinen Job finden wirst. Kaum ein Absolvent bleibt arbeitslos! Und selbst wenn die Jobsuche ein paar Monate dauert, dann kann man die Zeit sinnvoll nutzen.

Finde die Beschäftigung, die dir Freude bereitet. So habe ich es gemacht und ich habe einen Plan für die Zukunft. Man merkt immer wieder, Mitglied der Generation Y zu sein. Viel zu viele Entscheidungen und man fühlt sich verloren. Und lebt zum Schluss nur noch für Leistungen, weil das von der Gesellschaft eingetrichtert wird.

Mache das, was dir Spaß macht. Und wenn das eine Ausbildung ist, dann ist das so. Wenn du lieber Bäcker wirst, statt Jura zu studieren, dann ist das so. Gehe deinen Weg. Und wenn dieser Weg doch nichts ist, dann bist du gescheitert. Aber du bist dadurch stärker geworden und wieder ein Stück näher an deiner Zukunft. „Lebe nicht für den Traum eines anderen – lebe für deinen Traum“ sagt Conni immer wieder und sie hat dabei vollkommen recht.

Mein Weg

Mir macht programmieren Spaß. Ich habe schon unzählige Computer, Laptops und Smartphones gerettet, repariert und wieder zum laufen gebracht. Ich weiß sehr viel über Netzwerke und mir macht das alles ohne Ende Spaß. Somit dachte ich, dass das Informatikstudium die richtige Wahl für mich wäre. Doch wie so häufig gibt es einen großen Unterschied zwischen Theorie und Praxis. All mein Wissen, was mir auch schon privat einiges an Geld eingebracht hatte, war von heute auf morgen nutzlos. Informatik an einer Universität bedeutet Theorie. Viel Theorie. Mathe und Logik ist hier Alltag und nicht programmieren („Informatik hat mit Computern so viel zu tun wie Astronomie mit Teleskopen“). Einiges davon ist sicherlich nützlich für das Berufsleben, doch dieser Teil ist gering. Die Universität bildet Akademiker aus. Und sowas bedenken viele nicht. Ok, ich selbst war auch blind. So viele wechseln jedes Semester die Hochschule oder den Studiengang.
Aber das ist nicht schlimm. Aus Fehlern kann man lernen. Und vieles kann man vorher einfach nicht wissen. Man muss Erfahrungen sammeln. Und das ist auch gut so.

Somit akzeptiere ich meine Fehler, habe mich lange erkundigt, viel gelesen und mich jetzt für den Studiengang „angewandte Informatik“ entschieden. Da ich mich in der Selbständigkeit wohl fühle, versuche ich nebenbei als Web Developer und Fotograf tätig zu sein. Und sollte das nicht klappen, dann kann ich immer noch nach einem kleinen Job in einer Firma neben dem Studium suchen, auch wenn sowas schwer ist. Und klappt die Selbständigkeit, dann habe ich ein großes Stück an Freiheit gewonnen.
Aber die Welt ist groß. Und es gibt für jeden den richtigen Platz. Auch wenn man lange danach suchen muss.

Wir müssen nur aufhören, zu viel nachzudenken. Uns zu viele Gedanken zu machen. In der Gegenwart zu leben ist etwas schönes. Mein Plan kam mir nicht durch Infoveranstaltungen, Berufsberatungen oder göttlicher Eingebung. Ich habe mich einfach hingesetzt und aufgelistet, was mir Spaß macht und was mir im Leben wichtig ist. Und daraus lässt sich meist schon ablesen, wohin mein Weg führen soll. Das kannst du auch. Und wenn nicht, dann helfe ich dir dabei.

  • Julian

    Hey cooler Artikel,

    leider scheint es heutzutage für unsere Generation unheimlich wichtig zu sein einen Plan zu haben. (Ob das früher auch schon so war?) Leider wird sich heutzutage nur über Performance definiert, da uns das während des Studiums eingetrichtert wird.

    Dein Lebensentwurf hört sich jedenfalls klasse an, viel Erfolg 🙂

    Gruß